Auf nach Schottland und neue Sitze für das Publikum
Peter Hick über die laufende und kommende Saison der Festspiele
Die Störtebeker Festspiele gehen noch zwei Mal über die Bühne, dann ist für 2010 Schluss. Lange sah es so aus, als würde das Ensemble die 400 000-Zuschauer-Marke im 18. Jahr erstmals knacken. Doch dann kam der regnerische August.
Rügen (OZ) - „Wir haben zwar nicht die Bretter, die die Welt bedeuten, aber den schönsten Theatersand Deutschlands“, sagt Peter Hick. Bescheidenheit, aber auch viel Selbstbewusstsein sprechen aus diesem Satz. Überzeugt sein von seiner Arbeit und der des ganzen Ensembles darf der Intendant auch sein, einen Tag vor Ende der Störtebeker Festspiele 2010 in Ralswiek. Wenn morgen gegen 23 Uhr mit einem Spezialfeuerwerk die letzte von 67 Vorstellungen des Jahres ausklingt, dann können Hick und Regisseur Holger Mahlich erneut eine ganz starke Saison bilanzieren.
„Wir werden je nach Wetter zwischen 370 000 und 380 000 Zuschauern einlaufen“, sagt der Intendant voraus. Es sieht nach dem zweitbesten Ergebnis in der 18-jährigen Geschichte der Festspiele aus. Dass der Rekord aus dem Vorjahr (394 766 Besucher) knapp verpasst werde, sei dem verregneten August geschuldet. „Im Juli sah es sogar noch danach aus, als könnten wir die 400 000- er-Marke erstmals knacken“, betont Hick. Doch dass es nicht geklappt hat, sieht er nicht tragisch. Er brauche nicht immer neue Bestmarken — entscheidend sei, dass das größte deutsche Theater- Open-Air seine Stellung weiter gefestigt habe. Die konstant hohe Zuschauerresonanz seit Jahren sichere die wirtschaftliche Existenz der Bühne. Erneut können die Störtebeker Festspiele in dieser Saison ein dickes wirtschaftliches Plus verbuchen, dass Hick aber „als privater Unternehmer“ noch nicht beziffern mag.
Künstlerisch-inhaltlich sieht der Intendant die Veranstaltung weiter auf gutem Weg. Der „Fluch des Mauren“, der Störtebeker und seine Getreuen 2010 auf der Suche nach dem Templergold nach Südspanien geführt hat, sei eine gute Aufführung gewesen. Kein Ausreißer nach unten oder nach oben, aber ein schwungvolles spannendes Stück, dass akzentuiert hinführe auf den letzten Teil der Trilogie 2011.
Dann wird Störtebeker mit seiner Piratenbraut Maria (der neuen weiblichen Hauptdarstellerin Claudia Gaebel) in schottischen Gefilden dem Templerschatz nachspüren.
Regisseur Holger Mahlich schreibt bereits konkret am Buch für 2011, auch erste Skizzen für das Bühnenbild sind fertig. Bevor Hick und Co. die künstlerische Umsetzung intensiver vorantreiben, stehen aber Fragen der Infrastruktur im Vordergrund, so der Intendant.
Nach dem Einbau der „Fußleisten“ im Vorjahr, soll die gesamte Naturbühne vor der kommenden Saison mit 8000 neuen Klappsitzen versehen werden. „Mit der Investition wollen wir erreichen, dass sich die Zuschauer noch wohler fühlen. Denn durch die Klappsitze entsteht in den Reihen mehr Durchgangsfreiheit und die Sitzflächen verschmutzen weniger“, sagt Hick. Die bislang genutzen Sitzschalen wollen die Störtebeker Festspiele auch als Zeichen der Verbundenheit mit Rügen in der Region verschenken. „Es ist doch schöner, wenn damit hier noch etwas Nützliches gemacht werden kann, als wenn wir sie irgendwo hin verkaufen“, meint Hick. Die Gemeinde Gingst habe bereits für ihren Sportplatz Interesse an 2000 Sitzen bekundet.
Auch die Stadt Bergen will der Intendant gern beschenken: „Da wird es bald Gespräche geben.“
Info: Die letzten Aufführungen der Störtebeker Festspiele 2010 finden heute und morgen ab 20 Uhr auf der Naturbühne Ralswiek statt. Karten an der Abendkasse oder unter ☎ 0 38 38 / 3 11 00.